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Handreichungen für das Bromoeldruckverfahren

 1. Allgemeines

Der Bromoeldruck zählt in der Photographie zu den klassischen Edeldruckverfahren und wurde um 1855 von Alphonse Louis Poitevin in Paris entdeckt, der sein Verfahren "Phototypie" nannte. Das Verfahren geriet in der Folgezeit zunächst in Vergessenheit, wurde aber im Jahre 1907 von den Engländern E. J. Wall und C. Welborne Piper unabhängig voneinander wieder aufgegriffen. Später wurden weitere Techniken entwickelt, die aber alle auf dem gleichen Prinzip beruhen, dass Wasser und Öl sich gegenseitig abstoßen.

 Ausgangspunkt ist zunächst ein herkömmlich belichtetes und entwickeltes Bromsilberpapier, welches allerdings wenig bis überhaupt keine härtenden Substanzen enthalten darf, die die Quellfähigkeit der Oberfläche beeinträchtigen könnte. Aufgrund dieser Bedingung ist der Kreis der verwendbaren Papiere deutlich eingeschränkt. Einzelne Papiere sind unter Ziffer 2 h aufgeführt.

Der im Anschluss an die Fixierung und Wässerung erforderliche Quellvorgang wird durch ein Bleichbad vorbereitet, in welchem das Silberbild ausgebleicht wird. Dieser chemische Vorgang bewirkt eine teilweise Härtung der Gelatineschicht des Papiers, und zwar proportional zum vorhandenen Silberbild.

Die Gelatine quillt schließlich in warmem Wasser unterschiedlich stark auf, so dass ein Relief entsteht, auf dem die später aufgetragene steife Druckfarbe an den Stellen haftet, die nicht oder kaum gequollen sind, während die stark gequollenen, also mit hohem Wassergehalt versehenen Bereiche der Schicht keine Farbe annehmen. So entsteht ein Bild mit hoher Ausdruckskraft.

Das etwas aufwändige Verfahren wurde bis in die 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts insbesondere von Fotokünstlern ausgeübt, die mit den herkömmlichen Entwicklungsverfahren unzufrieden waren, da sie ihnen nicht „künstlerisch genug“ erschienen. Diese sog Piktorialisten sahen im Bromöldruck das Verfahren, welches im besonderen größtmögliche Einflussnahme auf die Bildaussage zulässt.

 2. Verfahrensablauf

a) Herstellung einer Vergroesserung auf Bromsilberpapier

Wie ausgeführt, bedarf es zunächst eines Fotopapiers, dessen Emulsion gar nicht oder nur schwach gehärtet ist.. Das verwendete Papier sollte je nach Hersteller etwa 1/2 bis 1 Blende reichlicher belichtet werden als ein entsprechendes gut durchgezeichneter Sibergelatineprint.  Beim Entwickler ist ebenfalls darauf zu achten, daß dieser keine härtenden Substanzen enthält. Geeignet sind auf dem Markt erhältliche Fertigentwickler. Hinzuweisen ist auf den speziell  Bromöldruckpapiere konzipierten Entwickler von Moersch-Photochemie Moersch 7 Bromoil  Im übrigen seien entsprechende Tests der verwendenden Positiventwickler empfohlen..

Da die handelsüblichen (Fertig-) Entwickler stark alkalisch (ausser Moersch 7 Bromöl) sind, was zur Folge hat, dass bei gewöhnlicher Ausentwicklung von mehr als 1 1/2 min sich alkalische Sunstanzen in der Gelatineschicht anreichern (kann zu irreversibler Fleckenbildung beim späteren Einfärben des Prints führen), sollte die Entwicklungszeit 90 sec. generell nicht überschreiten. Sollte hierbei die gewünschte Schwärzung nicht zu erzielen sein, sollte mittels Säure der ph-Wert des Entwicklers herabgesetzt werden. Eigene Versuche sind hierbei unerlässlich. Danach wird der Print gründlich gewässert (mind. 1 min). Das Stoppbad kann gegebenenfalls leicht angesäuert werden (1%ige Zitronen- oder Essigsäure, damit die Entwicklung sofort unterbrochen ist.  Ich vermeide allerdings wegen nur schwachen Vorhärtung des Bromöldruckpapiers im gesamten Ablauf jedwede Zugabe von weiterer Chemie. Zum Fixieren eignet sich nur ein nichthärtendes Fixierbad. Hierzu zählen die im Fachhandel erhältlichen normalen Natriumthiosulvat-Fixierbäder. Ansonsten ist beim Hersteller nachzufragen, ob der verwendete Fixierer einen Härter enthält. Bei Selbstansatz wird eine 10 %- ige Natriumthiosulfat-Lösung empfohlen. Es ist darauf zu achten, dass das Fixierbad frisch angesetzt ist. Die übliche Fixierzeit bei ständiger Bewegung ist einzuhalten.

Anschließend ist das Bild gründlich zu wässern (häufiger Wasserwechsel). Die Wassertemperatur sollte 15°C nicht unterschreiten, weil kältere Temperaturen das Auswaschen des Fixierers aus dem Papierfilz verhindern. Danach, wenn die weitere Verarbeitung nicht fortgesetzt werden soll, wird das Papier an der Luft getrocknet.

 

b) Der Bleichprozeß

Das nasse Bromsilberpapier (getrocknete Papiere sind zuvor in Wasser einzuweichen) wird in ein Bleichbad gegeben. Dabei findet eine teilweise Härtung der Gelatineschicht des Papieres statt. Insbesondere härten die Stellen des Papieres, die viel Bildsilber enthalten, welches den Schwärzungen des Abzugs entspricht; d. h. die Menge des vorhandenen Bildsilbers bestimmt den Grad der Härtung, so daß ein Relief entsteht. Für die Bleichlösung ist eine Fülle von Rezepturen entwickelt worden. Albert Mebes (Der Bromöldruck, Berlin 1920) erwähnt allein 44 verschiedene Bleichbadansätze, welche aus einer Lösung aus Chromsäure (alternativ Kaliumbichromat), Kupfersulvat und Kaliumbromid in destilliertem Wasser bestehen.  

Die Arbeitslösungen können mehrfach verwendet werden; im Laufe der Zeit wird der Bleichprozeß allerdings verlangsamt, so dass eine frische Lösung anzusetzen ist.  Das Bleichen wird bei Tageslicht auf Sicht durchgeführt, die Temperatur sollte der üblichen Arbeitstemperatur im Labor entsprechen (ca. 20° C). Das Bild verbleibt solange in der Lösung, bis keine Veränderung mehr festgestellt werden kann, höchstens aber 4-6 min.

Da die Gelatineschicht nach den Gerbungsprozeß extrem empfindlich gegen mechanische Einflüsse geworden ist, sollte die Schichtseite des Bildes nicht berührt und verhindert werden, dass sich  in der Schale befindliche Prints auf der Schichtseite anstoßen.

Die Chromatlösungen sind sehr giftig, gelangt etwas in offene Wunden, wird der Heilungsprozess extrem behindert. Jeder Hautkontakt sollte strikt vermieden werden (Laborzangen oder Gummihandschuhe verwenden).

Nach dem Bleichen ist das Bild gründlich zu wässern, bis die gelblichen Verfärbungen im Papierfilz restlos herausgespült sind. Da trotz des Ausbleichens im Laufe der Zeit wieder Bildspuren sichtbar würden, ist das Papier nochmals in ein Fixierbad (s.o.) zu geben, wobei die bereits gebrauchte Lösung verwendet werden kann. Das Bild wird nunmehr bis auf ein graues Restbild reduziert. Etwa noch sichtbare dunkle Stellen in den Schattenbereichen stören die weitere Verarbeitung allerdings nicht. Danach muss nochmals gründlich gewässert werden. Nach dem Wässern wird eine totale Trocknung des Papiers empfohlen (s.u.).

 c) Wässerung (Quellen der Gelatine)

Um das für das anschließende Einfärben erforderliche Relief zu erreichen, wird das Bild, welches nun auch Matrix genannt wird, in warmes Wasser verbracht. Dabei quillt die Gelatineschicht entsprechend auf. Die Höhe der Quelltemperatur ist abhängig von dem verwendeten Bromsilberpapier .Selbstversuche sind auch im Hinblick auf den Härtegrad des zur Verfügung stehenden Frischwassers unerlässlich. Zu berücksichtigen ist aber immer, dass ein einmal aufgrund von zu warmem Wasser zu stark gequollenes Papier auch dann auf das ursprüngliche Relief aufquillt, wenn der Quellvorgang mit verminderter Wassertemperatur wiederholt wird. Spätestens nach 20 min ist der Quellvorgang abgeschlossen, wobei es keine Rolle spielt, dass die Wassertemperatur nach und nach absinkt.

Eine deutliche Reduzierung der Quelltemperaturen ergibt sich, wenn die Papiere nach Abschluss des Bleichvorganges vor dem Einfärben zunächst vollständig getrocknet werden.

In der Literatur wird der Zwischentrocknung große Bedeutung für die erforderliche Härtung des Chromatgelatinebildes beigemessen. Mebes ( Der Bromöldruck, Berlin 1920, S. 26 f) geht davon aus, daß die chemischen Prozesse mit dem Bleichen, Wässern und fixieren des Bromsilberdruckes noch nicht beendet sind und die Härtung des Chromatgelatinebildes ausschließlich durch das gebildete Chromoxyd erfolge, welches aber seine volle härtende Kraft nicht sofort entfalten könne. Mebes verweist auf Untersuchungen von Eder aus dem Jahre 1878, der festgestellt habe, das die Chromoxydsalze nur trockene Gelatine unlöslich machen würden. Damit wird der Umstand erklärt, daß die Gelatineschicht nach dem Trocknen und Wiedereinweichen der Matrix nicht nur härter und widerstandsfähiger gegen manuelle Eingriffe beim Einfärben wird, sondern auch die Einfärbearbeit selbst viel schneller zu vollziehen ist und „endlich viel kräftigere Bilder erzielt werden können, und kein Verlust an Details in den Halbtönen wie Lichtern eintritt, als dies erfolgt, wenn der Druck ohne Zwischentrocknung sofort pigmentiert wird“.

 

d) Einfärben mit Druckfarbe

Das Bild wird aus dem Wasser genommen und vorsichtig trocken getupft. Dies kann zunächst mittels zweier Blatt Fließpapier, zwischen denen die Matrix, wie das für den Einfärbeprozess vorbereitete Papier auch genannt wird, gelegt wird, und anschließend mittels eines Fensterleders geschehen, mit dem man das auf eine Glasplatte oder ähnlich glatte Oberfläche verbrachte Papier abtrocknet. Dabei ist sicherzustellen, dass keine feuchte Oberfläche mehr auf dem Papier sichtbar ist, wovon man sich auch bei Schräghalten des Papiers überzeugt. Bleiben nämlich feuchte „Nester“ auf dem Papier zurück, kann die Druckfarbe an diesen Stellen nicht haften und es kommt zu Fleckenbildungen. Der Farbauftrag kann sowohl mit einem speziellen Pinsel, sog. Rehfußpinsel, als auch mit einer Schaumstoffrolle erfolgen. Schaumstoffrollen unterschiedlicher Breite sind mit Halter in jedem Baumarkt zu bekommen. Manche Bromöldrucker verwenden auch Hartgummirollen. Der Farbauftrag mit dem Rehfußpinsel, der seinen Namen von der Form eines Rehfußes hat, erfordert eine besondere „Hüpftechnik“, bei der der Pinsel nur jeweils kurz die Papieroberfläche berührt, wobei die Farbe langsam von den Lichtern in die Schatten verteilt wird. Die Technik ist für den Anfänger nicht nur zunächst ungewohnt, sondern insbesondere bei großformatigen Arbeiten ausgesprochen mühsam und zeitaufwendig, erfreut sich aber insbesondere in Großbritannien großer Beliebtheit. Dagegen ist der Farbauftrag mit der Schaumstoffrolle relativ einfach zu bewerkstelligen.

Hierzu ist zunächst erforderlich, die Schaumstoffrolle mit Druckfarbe einzureiben. Da die zu verwendenden Farben recht zähflüssig sein müssen, muss die Rolle solange über die auf eine Glasplatte, Fliese o.ä. harten Untergrund aufgetragene Farbe geführt werden, bis die Farbe in den Schaumstoff eingedrungen ist. Haftet zuviel Farbe an, ist diese an einer freien Stelle der Platte wieder abzurollen.

Sodann wird die Farbe in schnellen, aber leichten Bewegungen auf der Bildoberfläche verteilt. Dabei ist größerer Druck zu vermeiden. Bei diesem ersten Farbauftrag werden anfängliche zarte Konturen in den Schattenpartien sichtbar. Sodann wird mit einer weiteren Schaumstoffrolle, die etwas breiter als die Farbrolle ist, überschüssige Farbe wieder herausgewischt und anschließend sofort wieder mit der Farbwalze Farbe aufgetragen. Dieser alternierende Vorgang wird solange wiederholt, bis das Bild nach dem subjektiven Empfinden fertiggestellt ist. Während der Dauer des Einfärbens kann das Quellrelief der Gelatineoberfläche merklich zurückgehen, so dass es erforderlich sein wird, das Papier nochmals Aufquellen zu lassen. Dabei kann das Papier zum einen wieder für ein paar Minuten in das Wasserbad gelegt werden. Zum anderen kann das Aufquellen auch durch Wasserdampf, über den das Papier kurz gehalten wird, herbeigeführt werden. Schließlich, und dies favorisiert der Verfasser, kann mit einer Druckspritze, wie sie zum Besprühen von Pflanzen verwendet wird, aus größerer Entfernung ein Nebel warmen Wassers auf das Bild aufgesprüht werden. Vor dem neuerlichen Einfärben ist aber auch hier die Feuchtigkeit durch Überrollen mit der 2. Schaumstoffrolle aus dem Bild herauszureiben.

Vorstehend kann es sich nur um einen Versuch handeln, das Verfahren zu erklären. Verständnis erhält man erst, wenn man das Einfärben in einem Workshop praxisnah erfährt.

 

e) Anforderungen an die Druckfarbe

Große Bedeutung kommt der Auswahl der Farbe zu, da nicht jede Druckfarbe für den Bromöldruck geeignet ist. Es muss sich um fetthaltige Farbe von sehr steifer, strenger Konsistenz handeln, weil weiche Farben schon beim ersten Auftrag auf das Papier die Lichter zuschmieren. Will man Offsetfarbe verwenden, muß diese möglicherweise durch Zugabe von Wachs oder Kolophonium strenger eingestellt werden. Sehr gut geeignet ist Federfarbe, die von Lithografen verwendet wird. Da für ein Bild nur etwa eine etwa erbsengroße Menge benötigt wird, sollte man sich die diese bei einschlägigen Druckern besorgen.

Die jeweils für den Druck erforderliche Steifheit der Farbe ist abhängig vom Umfang des Quellreliefs. Je höher ein Papier aufquillt, desto weicher muss die Farbe eingestellt werden. Dies kann durch Zugabe weicherer Druckfarbe geschehen.

 Nachdem der Farbauftrag abgeschlossen ist, muss der Bildrand von der Druckfarbe gesäubert werden. Dies kann mit einer festen Gummiwalze geschehen, die entlang des Randes mit Druck über das Papier geführt wird. Man kann aber auch einen sehr feuchten Lederlappen verwenden, mit dem man vorsichtig die Farbe vom Rand entfernt.

 

 f) Bromölumdruck

Die nach den oben beschriebenen Verfahren frisch eingefärbten Papiere können in einer Kupferdruckpresse auf leicht angefeuchtetem Papier umgedruckt werden und sind als Bromölumdruck eine seitenverkehrte Kopie des Bromöldrucks.

Literaturhinweise:

Frank Heidtmann, Kunstfotografische Edeldruckverfahren heute, Berlin 1979 (Überblick über einige Verfahren, nur allgemein informativ, als Arbeitsanleitung z.T. zu ungenau); Luis Nadeau, Geschichte und Praxis des Öl- und Bromöldrucks, Stuttgart 1992; David W. Lewis, The Art of Bromoil and Transfer; Albert Mebes, Der Bromöldruck, Berlin 1920 (ggfs. noch über ein Fachantiquariat erhältlich, sonst über Fernausleihe öffentlicher Büchereien einzusehen). Wolfgang Maus, Der Bromöldruck - ein klassisches Edeldruckverfahren, in "Special - Edeldruckverfahren und Fine Art Prints", SCHWARZWEISS, September 1998, m.w.N.